Tauchen auf Zypern: Saison, Sicht und Kosten

Taucher im offenen Wasser vor Protaras, Zypern
Offenes Wasser vor Protaras

Wer eine Tauchreise nach Zypern plant, stellt fast immer dieselbe Frage zuerst: Wann soll ich fahren?

Die kurze Antwort: Zypern ist ganzjährig tauchbar, und das ist ausnahmsweise kein Marketing. Die lange Antwort steht unten — mit Zahlen, die wir selbst messen, nicht aus einer Broschüre.

Wir sind eine Tauchbasis in Protaras, tauchen die Zenobia und die Küste zwischen Protaras und Ayia Napa das ganze Jahr über. Dieser Text ist das, was wir Gästen am Telefon erzählen, bevor sie buchen.

Wassertemperatur Monat für Monat

Die Oberflächentemperatur sagt nur die halbe Wahrheit. Auf der Zenobia liegen Sie zwischen 16 und 42 Metern — dort unten sieht es im Sommer ganz anders aus als an der Wasseroberfläche.

MonatLuftWasser OberflächeWasser 30–40 mSprungschicht
Januar16–20 °C19 °C19 °Ckeine
Februar16–20 °C18 °C18 °Ckeine
März20–23 °C19 °C18 °Cab 9 m
April23–25 °C20 °C19 °Cab 9 m
Mai25–28 °C22 °C20 °Cab 9 m
Juni28–31 °C25 °C21 °Cab 9 m
Juli31–36 °C28 °C22 °Cab 18 m
August31–36 °C30 °C25 °Cab 22–24 m
September29–33 °C26 °C26 °Ckeine
Oktober25–29 °C25 °C25 °Ckeine
November23–27 °C23 °C23 °Ckeine
Dezember21–26 °C21 °C21 °Ckeine

Zwei Dinge fallen auf.

Erstens: die Sprungschicht im Sommer. Im Juli liegen oben 28 °C an, auf 40 Metern noch 22. Im August sind es oben 30 °C und unten 25. Wer im Hochsommer im Shorty ins Wasser springt und dann eine Zenobia-Tiefe von 35 Metern taucht, friert auf dem Deko-Stopp. Das passiert bei uns jedes Jahr.

Zweitens: der Herbst ist besser als sein Ruf. Von September bis Dezember verschwindet die Sprungschicht komplett. Das Wasser ist von oben bis unten gleich warm. Für tiefe Tauchgänge sind das die angenehmsten Monate des Jahres — und gleichzeitig die günstigsten für Unterkunft.

Sicht

Die Sicht auf Zypern ist stabil hoch: 30 bis 50 Meter sind der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Klares Mittelmeerwasser vor Zypern mit Fischschwarm
Sicht vor Protaras 30–50 m

Kaputt macht sie nur eines: Regen zusammen mit Wind in den Wintermonaten. Dann kann sie kurzzeitig auf etwa 10 Meter fallen. Das betrifft aber höchstens 15 Tage im ganzen Winter, und die Sicht erholt sich schnell.

Zwischen den Tauchplätzen gibt es dabei kaum Unterschiede. Zenobia und Küste verhalten sich ähnlich. Und selbst bei schlechtem Wetter gilt: es gibt immer einen Tauchplatz, an dem die Bedingungen gut sind. Die Küste ist lang genug, dass wir dem Wind ausweichen können.

Die Tauchplätze — und warum die Saison sie unterschiedlich trifft

Zypern hat keine hundert Tauchplätze. Es hat eine Handvoll sehr guter, und sie liegen dicht beieinander.

TauchplatzTiefeWas Sie dort sehen
Green Bay, Protaras1–12 mFlach, sonnendurchflutet. Der Platz für erste Tauchgänge, Ausbildung und Fotografie
MUSAN, Ayia Napa8–12 mUnterwasser-Skulpturenmuseum. Ungewöhnlich, flach, sehr fotogen
Meereshöhlen, Cape Greco5–12 mHöhlen und Durchschwimme, Lichtstrahlen im Fels — ohne Wracktiefe
Zyklopen-Höhle, Cape Greco2–40 mFlaches Plateau, dann die Wand hinunter. Ein Platz, zwei völlig verschiedene Tauchgänge
Lokale Wracks—Nemesis und Liberty bei Protaras, Elpida und Lambousa bei Larnaca
Zenobia, Larnaca16–42 m172 Meter RO-RO-Fähre auf der Seite. Ladedecks, LKW, Durchtauchrouten

Green Bay, die Meereshöhlen und die Zyklopen-Höhle sind Ufertauchgänge. Zur Zenobia und zu den Wracks bei Larnaca fahren wir mit dem Boot.

Und hier schließt sich der Kreis zur Saison: die meisten Plätze liegen flach genug, dass die Sprungschicht sie gar nicht betrifft. Green Bay, MUSAN und die Meereshöhlen enden über 12 Metern — dort haben Sie im Juli 28 °C, Punkt.

Die Sprungschicht ist ein reines Zenobia-Thema. Und ein Thema der Zyklopen-Höhle, wenn Sie die Wand hinuntergehen. Wer im Hochsommer nur flach taucht, merkt vom Temperaturunterschied nichts. Wer die Zenobia taucht, merkt ihn sofort.

Mehr zu den einzelnen Plätzen: Tauchplätze auf Zypern

Welcher Anzug in welchem Monat

Das ist individuell — Kälteempfinden ist verschieden. So tauchen wir selbst:

ZeitraumAnzug
Januar – März/AprilTrockenanzug
April – Mai7 mm nass
Mai – Juni5 mm nass
Juni – November3 mm lang
Dezember5 mm nass

Der häufigste Fehler beim Packen

Viele Gäste bringen einen 3-mm-Shorty mit. Der bleibt bei uns im Sack.

Auf der Zenobia liegt sehr viel rostiges Metall. Wir tauchen dort ausschließlich in langen Anzügen, ohne Ausnahme. Der Grundsatz dahinter ist simpel:

Lieber den Anzug aufreißen als die Haut.

Wenn Sie also nur ein Teil einpacken, dann einen langen Anzug. Kurze Anzüge sind auf einem Wrack keine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine Verletzungsquelle.

Deutsche Taucher kommen meist von der Ostsee oder aus dem Roten Meer. Zypern liegt genau dazwischen und passt in keine der beiden Gewohnheiten. Wer aus dem Roten Meer kommt, unterschätzt den Winter. Wer aus der Ostsee kommt, überschätzt ihn.

Wind und Ausfälle

Hier ist die Antwort erfreulich kurz: es fällt praktisch nichts aus.

Über einen ganzen Winter kommen wir auf höchstens fünf abgesagte Tage. Im Sommer so gut wie keine.

Wenn der Wind wirklich stark bläst und die Ausfahrt zur Zenobia nicht stattfindet, tauchen wir von Land. Es gibt immer einen Küstenplatz auf der geschützten Seite. Ein verlorener Tauchtag ist auf Zypern die Ausnahme, nicht das eingeplante Risiko.

Wann ist es voll, wann leer

Auf der Zenobia sind immer Menschen. Im Winter deutlich weniger, im Sommer und Herbst sehr viel mehr.

Der Samstag ist der vollste Tag der Woche — dann tauchen zusätzlich die einheimischen Vereine. Wer Ruhe auf dem Wrack sucht, legt seine Zenobia-Tage unter der Woche.

Warum wir zur Nebensaison raten

Ganz offen: die Nebensaison ist die bessere Reisezeit, und wir empfehlen sie ausdrücklich.

  • Unterkünfte kosten einen Bruchteil
  • Deutlich weniger Menschen im Wasser und auf dem Wrack
  • Von September bis Dezember keine Sprungschicht
  • Die Sicht ist dieselbe

Der einzige Grund für Juli und August sind Schulferien.

Gibt es einen Monat, in dem man nicht kommen sollte?

Nein. Wir würden niemandem abraten.

Der Winter hat einen zusätzlichen Vorteil, an den kaum jemand denkt: Es ist nicht heiß. Zwischen den Tauchtagen kann man wandern, die Bergdörfer ansehen, das Troodos-Gebirge fahren. Im Hochsommer geht das schlicht nicht — da bleibt zwischen den Tauchgängen der Strand, und sonst nichts.

Wer also Tauchen mit anderem verbinden will, fährt im Winter besser.

Was eine Tauchwoche kostet

Deutsche Gäste rechnen den ganzen Urlaub durch, nicht den Preis eines einzelnen Tauchgangs. Also rechnen wir mit.

Eine typische Woche auf Zypern hat fünf Tauchtage. Mehr geht, ist aber selten sinnvoll — irgendwann will man die Insel auch sehen.

Das klassische Programm:

3 Tage Küste (Protaras / Ayia Napa)95 € pro Tag285 €
2 Tage Zenobia165 € pro Tag330 €
10 Tauchgänge gesamt615 €

Ein Tauchtag sind jeweils zwei Tauchgänge.

Was darin enthalten ist

Für Sporttaucher ist dieser Preis alles inklusive. Konkret:

  • Komplette Ausrüstung — keine Leihgebühren obendrauf
  • Nitrox auf der Zenobia kostenlos, wenn Sie Nitrox-zertifiziert sind
  • Flaschen nach Wahl: 10, 12 oder 15 Liter. Das Volumen ändert den Preis nicht. Für die 15er zahlen Sie keinen Aufpreis
  • Guide inklusive

Der einzige Aufpreis, den es gibt: Wer im Sidemount taucht, zahlt 10 € pro Tag für die zusätzlichen Flaschen.

Keine Bootszuschläge, keine Nitrox-Zuschläge, keine Ausrüstungspauschale an der Kasse. Was auf der Preisliste steht, ist der Betrag, den Sie bezahlen.

Anreise

Der Flughafen Larnaca liegt rund 60 Kilometer von Protaras entfernt.

  • Bus: etwa 20 €
  • Taxi: 70–90 €

Für zwei oder drei Personen ist das Taxi rechnerisch kaum teurer als der Bus und spart Umsteigen mit Tauchgepäck.

Tauchen auf Deutsch

Ein Punkt, den deutschsprachige Gäste regelmäßig anfragen, deshalb hier direkt:

Yurii spricht Deutsch. Briefing, Kurstheorie und die Tauchgänge selbst sind auf Deutsch möglich.

Das ist bei technischen Kursen und beim ersten Zenobia-Tauchgang kein Nebendetail. Ein Wrackbriefing in einer Fremdsprache verstehen und ein Wrackbriefing in der Muttersprache verstehen sind zwei verschiedene Dinge — besonders, wenn es um Ein- und Ausstiegspunkte, Tiefenprofile und Abbruchkriterien geht.

Deutsche Gäste sind bei uns keine Seltenheit, aber auch keine Mehrheit. Die Gruppen bleiben klein.

Kurz gefasst

  • Ganzjährig tauchbar. Kein Monat, von dem wir abraten würden
  • Beste Zeit für Tiefe: September bis Dezember — keine Sprungschicht, Wasser durchgehend gleich warm
  • Beste Zeit fürs Budget: Nebensaison. Günstige Unterkunft, leere Tauchplätze, gleiche Sicht
  • Sicht: 30–50 m als Normalfall, unter 15 Schlechtsichttage im ganzen Winter
  • Anzug: Trocken im Winter, 3 mm lang von Juni bis November — kein Shorty für die Zenobia
  • Ausfälle: praktisch keine, höchstens fünf Tage pro Winter
  • Kosten: rund 615 € für 10 Tauchgänge in einer Woche, alles inklusive
  • Deutschsprachige Betreuung vorhanden

Fragen zur Planung? Schreiben Sie uns — auf Deutsch.

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